Am heutigen Freitag war der Hamburger SV zu Gast in Drochtersen beim Landesligisten SV Drochtersen/Assel.
Das Wetter war gut, die Stimmung auch, man erwartete ein nettes Testspiel. Überhaupt hatte das Spiel mehr den Anschein eines vergnüglichen Familienevents als eines wirklich ernsthaften Testkicks. Doch was dann folgte, war der schiere Wahnsinn.
Es fing schon mit dem Spiel an, der HSV gewann mit 2:1 dank Toren von Son und Berg – unverdient, denn D/A war über das komplette Spiel die bessere Mannschaft. Da spielte ein Bundesligist gegen einen Sechstligisten? Ach, schau an, hat man nicht gemerkt.
Zum Spiel muss dann nicht viel mehr gesagt werden, wer es nicht gesehen hat, verpasste wenig bis gar nichts.
Viel interessanter war dagegen das Geschehen nach dem Spiel.
Wie man sich vorstellen kann, sind bei einem solchen Freundschaftskick stets viele Familien anwesend – somit auch viele Kinder, vor allem im Grundschulalter. Einige davon haben sicher zum allerersten Mal den HSV live und in Echt spielen sehen; ihre Helden zum ersten Mal praktisch direkt vor sich spielen sehen. „Helden“ wie Dennis Aogo oder Heung-Min Son, der gerade für die jüngere HSVer-Generation DIE Symbolfigur schlechthin ist.
Man konnte also dementsprechend fest damit rechnen, dass mit Abpfiff eine Art „Jagd“ nach Autogrammen und Fotos mit ebendiesen „Helden“ beginnen sollte.
Und damit nahm das Drama seinen Lauf.
Direkt nach Spielende befanden sich noch Aogo und Diekmeier auf dem Feld, sowie Trainer Thorsten Fink daneben. Während Fink kurz Autogramme gab und dann versprach, später noch einmal rauszukommen – was er dann auch ausgiebig tat, ein Lob dafür! -, sprinteten die beiden Erstgenannten so schnell wie möglich davon, um keine Autogramme verteilen zu müssen. Dasselbe Theater konnte man später noch bei Michael Mancienne, Marcus Berg, Heung-Min Son und Käpt’n Westermann bestaunen, die allesamt wortlos an uns wartenden Fans vorbeiliefen – nicht ganz wortlos blieb Herr Westermann, der ankündigte, dass man später noch einmal aus dem Bus komme um Autogramme zu geben.
Wenige Minuten später war der Bus dann abgefahren, ohne dass auch nur einer noch einmal zu uns kam. Vor allem die Kiddies, die so laut es geht nach Son und Westermann riefen, waren ziemlich enttäuscht.
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Ich kann es verstehen, wenn man nach einer langen und anstrengenden Saison davon genervt ist, ständig erkannt und um Fotos oder Autogramme gebeten zu werden. Ich kann es ebenso verstehen, dass man irgendwann einmal in den Urlaub gehen möchte, anstatt über die Dörfer zu tingeln und dort zu kicken.
Doch das darf ich nicht bei einem Familienevent zeigen, das muss intern geklärt werden.
Gerade bei solchen Veranstaltungen erleben viele ihre HSV-Premiere, werden Leidenschaften geweckt oder Vereine gewechselt – gerade die Kiddies sind da oft etwas empfindlicher als wir „Großen“ und damit besonders gut von den Profis zu behandeln, da besonders wichtig für später.
Denn – wenn man sich zu schade ist, den Kleinen ein kleines Lächeln auf’s Gesicht zu zaubern, weil man gerade keine Lust dazu hat – wie sollen die sich dann mit ihren „Helden“, mit dem HSV identifizieren?
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Ich persönlich habe da ja kein Problem mit, wenn ich auf meinem 5. Trikot nicht die 3. Unterschrift von Tesche bekomme. Mir tun da eher die Kiddies leid, die vielleicht zum ersten Mal ihre Helden in Aktion gesehen haben, und die noch viel leidenschaftlicher sind als viele von uns “Großen”. Das hat mir fast schon weh getan, wie einige Herren einfach an denen vorbei gezogen sind.
Spontan musste ich mich an eines meiner ersten HSV-Spiele anno 2004 erinnern.
In Sittensen sollte die Profi-Mannschaft zum Freundschaftskick antreten, letzlich kam nur die halbe Reserve auf’s Feld. Die Enttäuschung war groß, klar.
Doch irgendwann entdeckte ich hinter mir Cardoso, der gerade seine Karriere beendet hatte.
Damals war er mein großer Held, ich bin fast vor Aufregung gestorben, als ich ihn um ein Autogramm bat – und es dankenswerterweise auch bekam.
Manni Kaltz lief übrigens auch dort rum – und hat ebenfalls Autogramme an uns Kiddies verteilt, obwohl ihm der Rummel um sich zu viel war. Sowas hätte ich mir heute auch gewünscht.
Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die beiden die Autogrammwünsche verwehrt hätten.
Vielleicht wäre ich nicht der HSVer geworden, der ich heute bin – vielleicht.
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Bei aller Kritik möchte ich auch noch Lob verteilen:
Marcell Jansen, Robert Tesche, Tom Mickel, Jacopo Sala, Herrmann Rieger und Thorsten Fink gaben wie gewohnt aus freien Stücken viele Autogramme und standen für viele Fotos bereit. Gerade Herrmann, Jansen, Mickel und Tesche hat man angemerkt, dass ihnen das sogar Spaß gemacht hat.
Thorsten Fink nahm sich sogar besonders viel Zeit für die jüngere Klientel und hat sicher eine halbe Stunde (!) geopfert – und gerade bei ihm als einem der Verantwortlichen ist das bestimmt nur schwer machbar.
Dafür an dieser Stelle ein Lob an die Genannten – das war top. Im Gegensatz zu allen anderen Punkten, die im Zusammenhang mit dem Spiel stehen und den HSV betreffen.